Lisa und José haben während der Pandemie neue Pfade betreten und ‘DOPE wines’ gegründet. Früher zuhause in der Eventwelt, führen sie heute das traditionsreiche Familienweingut in Albig mit frischem Blick, viel Handarbeit und einem klaren Fokus auf biologische Naturweine. Ihr Ansatz: Die Weinwelt vielfältiger machen – geschmacklich, gedanklich und menschlich. Das Weingut versteht sich als offener Ort der Begegnung, an dem gelebte Weinkultur, Gemeinschaft und Neugier zusammenkommen. Ökologische und soziale Diversität prägen dabei den Anspruch und die tägliche Arbeit. Wenn man beide fragt, was bei ihnen gerade ansteht (Zitat Lisa: „A lot – wie immer.“), freuen wir uns umso mehr, dass sie noch unser kleines, feines Interview unterbringen konnten. Hallo Lisa und José! Los geht’s!

Name: Lisa (eigentlich Elisabeth, aber niemand nennt mich so) Hofmann / José Kossiotho Amale Fleck
Alter: Fast 40 / 42
Wohnort: Albig – ein kleines Weindorf ca. 40 Minuten von Frankfurt entfernt / Albig
Beruf: Eventmanagerin turned Winemaking Sommelière / Winzer
Schuhgröße: 40 / 43
Lieblingsfarben: Blau und Pink / Schwarz und Rot (und Weiß wie die Eintracht)
Kontakt: dopenaturundwein.de / @dope.kulturundwein

Worauf achtest du, wenn du jemandem zum ersten Mal begegnest?
Lisa: Auf die Stimmung! Ich mag Menschen und komme schnell ins Gespräch. Wer Lust hat, kann mit mir in fünf Minuten über alles reden.
José: Auf den Namen meines Gegenübers – damit ich ihn nicht sofort wieder vergesse.

Wer gab dir den besten beruflichen Rat – und welcher war es?
Lisa: Ich weiß leider nicht mehr, wer es zu mir sagte, aber es ist Gold: „You are not Pizza. Not everybody can like you.“
José: „Zeit hilft. Aggressives Zuwarten auch.“ – Von meinem Oenologen und Mentor Fabian Kaminsky – mein Keller-, Lehr- und Winzermeister. Ein großartiger Mensch. Rest in Power, Meister.

Was ist dein verstecktes Talent?
Lisa: Ich kann ziemlich schnell ziemlich viele vierblättrige Kleeblätter finden. Sehr praktisch – wenn ich ein spontanes Geschenk brauche, reicht ne grüne Wiese mit Klee.
José: Kochen. Ich wollte als Kind eigentlich Koch werden, aber wegen meiner Allergien hat man mir davon abgeraten. Heute kann ich mich im Weinberg und im Weingut austoben – und unsere Gäste trotzdem bekochen. Das Leben schreibt manchmal die besseren Wendungen.

Wie warst du als Kind?
Lisa: Immer draußen, verträumt und sehr gerechtigkeitsliebend.
José: Immer der Schnellste.

Lisa, beschreibe José in einem Satz: Baby, you’re a firework!
José, beschreibe Lisa in einem Satz: Unermüdlich, temperamentvoll, einfühlsam und taff – wie Espresso in Menschengestalt: für manche zu stark, heiß und für mich immer genau richtig.

Wenn die Welt in einem Jahr untergeht, was würdest du von nun an machen?
Lisa: Mit meinen liebsten Menschen eine gute Zeit haben. Gut essen, guten Wein trinken, feiern, tanzen, draußen sein – und vielleicht noch ein letztes Mal richtig guten Wein machen.
José: Meine Besten einladen, einen letzten großartigen Jahrgang Wein produzieren und ihn bei der größten Weltuntergangs-Party mit allen Gästen leersaufen. „Das letzte Leer-Saufen.“

Das glaubt niemand von dir:
Lisa: Man traut mir wohl eher alles zu. (Ich bin vielseitig, offen und spontan…)
José: Dass ich als Kind eine große, dicke Brille hatte… und heute einfach ohne lebe.

Wenn du mit einem Klick eine Message auf jedes Plakat der Welt setzen könntest, was würde darauf stehen?
Lisa: Care for yourself, for each other, and for the earth. That’s how peace is made.
José: Yesterday is history. Tomorrow is mystery. Today is a gift.

Deine größte Schwäche?
Lisa: Ungeduld.
José: Nicht auf Textnachrichten reagieren. Ruft doch einfach an!

Bei welchem kulturellen Ereignis wärst du gerne dabei gewesen?
Lisa: Bei der Opening Night von Studio 54 – das war mehr als eine Party, das war ein kultureller Urknall. Und wenn ich mir etwas wünschen dürfte: zusammen mit Tupac Shakur.
José: Als die Menschen das Feuer entdeckten.

Was würdest du ändern, wenn du die Macht dazu hättest?
Lisa: Power to the People. Ich würde die Zeit zurückdrehen – vor Neoliberalismus, Turbo-Kapitalismus und Kolonialismus –, damit wir ein Wirtschafts- und Weltsystem entwickeln können, das ohne Ausbeutung von Menschen und Natur funktioniert. Für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit.
José: Ich würde dafür sorgen, dass alle Menschen zufrieden und glücklich sind.

Wenn wir dich zu Hause besuchen, was würdest du für uns kochen?
Lisa: Ich koche gerne und vielseitig. Je nachdem, wann ihr vorbeikommt, gibt es das, was gerade Saison hat – in drei Gängen.
José: Tapas.

Was sollte niemand von dir wissen?
Lisa: Dinge, die ich hier nicht teilen werde.
José: Das soll niemand von mir wissen.

Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?
Lisa: Was muss sich im Weinbusiness ändern, damit es cool und zukunftsfähig wird?
José: Wie war das Weinjahr 2025?

Das letzte Wort:
Lisa: Der Wein muss bunter werden. Jünger, offener, diverser. Weniger Staub, weniger Tradition-um-der-Tradition-willen. Weniger Masse, mehr Haltung. Die Leute müssen checken, dass man keinen Wein bei Aldi kauft – weil direkt vom Hof heißt: Kultur, Erlebnis, Qualität und faire Arbeitsbedingungen. Darüber redet kaum jemand. Genauso wenig wie darüber, dass fast alle Winemaker in Deutschland weiß sind (außer José und Oskar von Oskar Tagwein). Und über den Glasmüll redet auch keiner. Bio, Biodiversität, faire Löhne, Kreisläufe statt Müll – das ist die Zukunft. Wein braucht offene Türen: Kultur, Musik, Partys, Begegnung und neue Perspektiven, Ideen und Menschen – DANKE, dass ihr uns gefragt habt!
José: Ich wünsche mir, dass Menschen und Gesellschaft wieder mehr im echten Leben zusammenkommen und sich weniger von Social Media und KI ablenken lassen. Vielleicht auch bei einem Glas Wein auf unserem Hof – da kann man das besonders gut.

FOTO: Annegret Hirschmann Fotografie